Projektschwerpunkt

Malerei /Bildhauerei/Fotografie

Begegnen / Verstehen

Die Türkei und Deutschland begegnen sich in unserem Kunstprojekt.
Es gibt inzwischen einen engen politischen und wirtschaftlichen Austausch
der beiden Länder. Ebenso gibt es einen Austausch im kulturellen Leben. Allgemein
ist das nicht so bewusst, eher leben immer wieder Vor-Urteile auf, trotz vieler
Berührungspunkte; etwa 3 Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln
leben mittlerweile in Deutschland. Mehr Begegnung, mehr Verstehen gerade
auf der künstlerischen kulturellen Ebene ist ein wichtiger Schlüssel für ein
Miteinander.

Wir möchten, dass Künstler im jeweiligen anderen Land von Ihrer Arbeit,
von ihrem Leben, von ihrer Kultur erzählen und sich austauschen.

Projektgedanken und Voraussetzungen

Offenheit, eine Voraussetzung für die Begegnung zwischen Menschen, wird durch die künstlerische Betätigung gefördert. Michael Brater, der an der Alanus Hochschule in Bonn (Deutschland) lehrt, erläutert warum.

“Damit Interkulturalität gesellschaftlich und zwischenmenschlich gelingen kann, müssen mindestens drei Anforderungen erfüllt sein:

1.Wir begegnen dem Fremden offen und vorurteilslos (Unbefangenheit);
2.Wir haben ein Interesse, den fremden Menschen in der Besonderheit und Eigenheit seiner Kultur kennenzulernen (Diversität);
3.Wir erahnen hinter dem kulturell Andersartigen das Allgemein-Menschlich (Universalität)“.

Die Begegnung mit Menschen aus fremden Kulturen kann verunsichern, denn sie stellt durch ihre Gegensätze, auch ohne es zu wollen oder nur zu ahnen, unsere kulturellen Koordinaten in Frage. Das Anderssein des Anderen verweist auf die Relativität und Begrenztheit der eigenen Welt und ihrer kulturellen Selbstverständlichkeiten, die gar keine sind. Die interkulturelle Begegnung offenbart immer auch den Charakter der Kultur als einer Möglichkeit unter vielen. Man kann nun entweder erleben, wie das Fremde mich und meine Kultur in Frage stellt , oder man wird neugierig auf die im Fremden offerierten alternativen Lösungen und Handlungen und Deutungen – dann wird sich der Horizont weiten.
Es entsteht Freude an der Vielfalt, Begeisterung über die schöpferische Kraft, Interesse am Wesen, an der Eigenart des Fremden. Wir ahnen, dass dies vor allem solchen Menschen gelingt, die sich selbst ihrer Kultur bewusst und deshalb in der Lage sind, sich auf das Andere einzulassen, ohne sich dabei zu verlieren – die sich, wie Picasso sagt, »im Ungeborgenen geborgen wissen«.

Künstler als interkulturelle Vorbilder

Der Umgang der Künstler mit der Welt kann in vielerlei Hinsicht Vorbild der interkulturellen Begegnung sein. Künstler begegnen dem »Material«, das sie gestalten wollen – ihrem zunächst noch unbekannten »Gegenüber« – allenfalls mit Fragen, mit ersten Motiven oder Neugier. Niemals aber mit bestimmten Zielen und Absichten, was sie damit oder daraus »machen« wollen. Die künstlerische Tugend des Begegnens heißt »Unbefangenheit«. Der Maler Gerhard Richter sagt das so: »Ich … möchte am Ende ein Bild erhalten, das ich gar nicht geplant hatte … ich möchte ja gern etwas Interessanteres erhalten als das, was ich mir ausdenken kann«. Wäre das nicht auch eine Leitlinie für die interkulturelle Begegnung – eben offen und vorurteilslos zu beginnen? Hier überschneidet sich in gewisser Weise auch unser psychotherapeutisches Vorgehen, das zumeist dann für die betroffenen Menschen gelingt, wenn wir ohne Absicht und ohne eigenen Ziele handeln und uns als Fragende zur Verfügung stellen. Daraus entsteht Mut und Kraft zum eigenen, selbstbestimmten Handeln.

Das Wesentliche und spannende an diesem Projekt ?

Nicht nur Künstler, Kunststudenten und Kunstlehrende, sondern auch Menschen, die nach psychischen Erkrankungen wieder in ein selbstbestimmtes Leben wollen, nehmen an diesem Projekt teil. (s.was ist Lavie?)

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